FAQ Knochenmarkspende

Interview mit Bettina Steinbauer

Über die Kinderkrebshilfe Waldeck Frankenberg e.V. wurde uns das folgende Interview mit Bettina Steinbauer, Aktionsbetreuerin bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei GmbH übermittelt.

Wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?

Frau Steinbauer: Jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 kg wiegt, kann spenden. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, Diabetes, Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D. Für Detailfragen steht am Aktionstag ein DKMS- Betreuer zur Verfügung.

Wie läuft die Registrierung am Aktionstag ab?

Frau Steinbauer: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Für den Spender ist das eine Sache von 5-10 Minuten und ein kleiner Pieks. Für den Patienten kann es neues Leben bedeuten.

Die Registrierung kostet 50 Euro. Wofür wird das Geld benötigt?

Frau Steinbauer: Nachdem die Anfangsförderung durch die Deutsche Krebshilfe und das Bundesministerium für Gesundheit Ende 1994 auslief, ist die DKMS für den Ausbau der Datei finanziell auf sich gestellt.
Zwar übernehmen die Krankenkassen alle Kosten für die eigentliche Stammzellspende und die Datenpflege, können aber aus rechtlichen Gründen die Kosten für den weiteren Ausbau der Datei nicht tragen. Die Registrierung jedes neuen potenziellen Lebensspenders kostet die DKMS 50,- Euro, die häufig von den Spendern selbst getragen werden. Mit einer Geldspende kann jeder helfen, da es nicht allen Spendern möglich ist, diese 50,- Euro zu übernehmen!

Wonach wird die Blutprobe untersucht?

Frau Steinbauer: Das Blut wird im Labor nicht auf die Blutgruppe, sondern auf seine Gewebemerkmale, so genannte HLA-Merkmale, untersucht. Die Typisierungsergebnisse des Blutes, die sogenannten Befunde, werden anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen. 

Wann kommt man als Stammzellenspender in Frage?

Frau Steinbauer: Die weitgehende Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Patient und Spender ist die Grundvoraussetzung für die Durchführung und den Erfolg einer Stammzelltransplantation. Anders als bei den verschiedenen Blutgruppen, ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zweier Menschen allerdings äußerst selten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass so viele Menschen wie möglich als Stammzellspender registriert sind.  

Wie groß ist die Chance, einen passenden Spender zu finden?

Frau Steinbauer: Einen passenden Spender zu finden ist generell unglaublich schwierig, da die Gewebemerkmale von Patient und Spender nahezu vollständig übereinstimmen müssen. Aufgrund der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale liegt die Wahrscheinlichkeit in der Regel zwischen 1:20.000 und 1 zu mehreren Millionen. Wir suchen demnach sprichwörtlich nach der "Nadel im Heuhaufen"! 

Was geschieht mit den Blutproben, die abgegeben werden?

Frau Steinbauer: Alle Blutproben der Aktion werden sofort nach der Aktion ins Labor gebracht und untersucht! 
Frage: Gesetzt den Fall, die HLA-Merkmale eines Spenders stimmen überein.

Was geschieht danach?

Frau Steinbauer: Stimmen die ersten 4 Gewebemerkmale mit denen eines Patienten überein, werden im zweiten Untersuchungsschritt die letzten 2 Gewebemerkmale typisiert. Sind auch diese Merkmale stimmig, kommt es zu einer Bestätigungstypisierung. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der potenzielle Spender endgültig entscheiden muss, ob er für den Patienten zur Verfügung stehen will. Wenn er "ja" sagt, wird bei ihm ein gründlicher Gesundheits- Check-up durchgeführt.

Die bloße Registrierung in die DKMS beinhaltet zunächst nicht die bindende Verpflichtung zu einer tatsächlichen Stammzellspende. Denn je nachdem kommt es erst nach Jahren zu einer Anfrage nach Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände (z.B. Krankheiten) eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen. 

Wie lange dauert es, bis es zu einer Stammzellspende kommen kann?

Frau Steinbauer: Die einzelnen Untersuchungsschritte bis zur eindeutigen Klärung der Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Patient und Spender können zeitlich nicht einheitlich benannt werden. Für eine erfolgreiche Transplantation ist es jedoch unerlässlich, dass die beschriebenen Voruntersuchungen eingehalten werden.

Was passiert bei einer Knochenmark- oder Stammzellentnahme?

Frau Steinbauer: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren:

1. Die Knochenmarkentnahme: Zur Knochenmarkentnahme verbleibt der Spender für 2-3 Tage im Krankenhaus. Unter Vollnarkose werden ihm aus dem Beckenknochen ca. 1 Liter Knochenmark (nicht Rückenmark!) entnommen und dem Patienten übertragen. Beim Spender bildet sich das Knochenmark innerhalb von 2 Wochen nach. 

2. Die periphere Stammzellentnahme: Dem Spender wird über mehrere Tage ein körpereigener, hormonähnlicher Stoff (Wachstumsfaktor) verabreicht. Dieses Medikament regt die Produktion der Stammzellen an und bewirkt deren Ausschwemmung in das periphere Blut. Mit einem Zellseparator werden die Stammzellen, ähnlich einem Dialyseverfahren, aus dem Blut gesammelt. 

Muss sich der Spender auf einen längeren Krankenhausaufenthalt gefasst machen?

Frau Steinbauer: Nur bei der Knochenmarkentnahme ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, der etwa 2-3 Tage dauert. 

Was sind die Anzeichen für einen Erfolg einer Stammzelltransplantation?

Frau Steinbauer: Nach etwa zwei bis vier Wochen gibt der Anstieg der weißen Blutkörperchen erste Anhaltspunkte dafür, ob die neuen Stammzellen ihre Aufgabe erfüllen und gesunde Blutzellen bilden.

Die Überprüfung erfolgt anhand der Veränderung der Anzahl der sich im Blut befindenden weißen Blutkörperchen. Wenn ein stetiger Anstieg weißer Blutkörperchen nachweisbar ist, steigt auch die Chance auf ein zweites Leben für den Patienten. 

Welche Risiken gibt es bei der Stammzellentnahme?

Frau Steinbauer: Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz.Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko! 

Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme wird bei DKMS-Spendern seit 1996 angewandt. Während der Einnahme des Medikamentes können grippeähnliche Symptome auftreten. Seit Beginn der klinischen Anwendung sind bisher keine Spätfolgen beobachtet worden. Um jedwedes Risiko auch weiterhin auszuschließen, steht die DKMS mit ihren Spendern in regelmäßigem Kontakt.

Welches Krankenhaus entnimmt dem Spender Stammzellen?

Frau Steinbauer: Die DKMS arbeitet mit ausgesuchten und routinierten Kliniken zusammen. Im Falle einer Stammzellspende wird der Spender in einer wohnortnahen Klinik untergebracht. Auch wenn der Patient aus dem Ausland ist, muss der Spender zur Entnahme nicht in das jeweilige Land reisen. Die Stammzellen werden in diesem Fall von Kurieren in die Klinik des Patienten gebracht.